Deutsch-Tschechischer Zukunftsfonds
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Zukunftsfonds unterstützt langjährige Akteure des deutsch-tschechischen Austauschs mit Sonderförderung

138 neue deutsch-tschechische Projekte bewilligt


Pressemitteilung, 5. Dezember 2018

(Prag) Der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds hat weitere Fördermittel für gemeinsame Projekte von deutschen und tschechischen Partnern freigegeben. Auf seiner vierteljährlichen Sitzung bewilligte der Verwaltungsrat des Fonds ein Gesamtvolumen von gut 1,2 Mio Euro für 138 neue deutsch-tschechische Initiativen.

Darunter waren Projekte mehrerer zentraler, langjähriger Akteure des deutsch-tschechischen Austauschs, für die der Zukunftsfonds in diesem Jahr erstmals ein Sonderprogramm zur Entwicklungsförderung ausgeschrieben hatte. „Ohne den hohen persönlichen und uneigennützigen Einsatz dieser Akteure gäbe es schwerlich eine so starke Basis für den deutsch-tschechischen Austausch, wie wir sie heute haben“, so die Verwaltungsratsvorsitzenden Jindřich Fryč und Martin Kastler. „Dieses Engagement ist schwer zu beziffern und auf den ersten Blick leicht zu übersehen. Aber wenn wir das hohe Niveau der gegenseitigen Beziehungen aufrecht erhalten wollen, sollten wir diejenigen zivilgesellschaftlichen Organisationen, die sich darum maßgeblich verdient machen, auch in ihrer organisatorischen Weiterentwicklung unterstützen.“ 

Ein guter Teil der im letzten Jahresquartal bewilligten Projekte kam traditionell aus dem Bereich Denkmalpflege. Mit insgesamt 37 beantragten Vorhaben (und bei einem Fördervolumen von umgerechnet 350.000 Euro) war die Zahl der eingereichten Anträge hier höher als in den Jahren zuvor. „Das ist eine gute Nachricht, weil die gemeinsame Renovierung von Baudenkmälern im deutsch-tschechischen Grenzgebiet fast immer mit einer starken Versöhnungsbotschaft zwischen Sudetendeutschen und Tschechen verbunden ist“, sagten die Geschäftsführer des Zukunftsfonds, Petra Ernstberger und Tomáš Jelínek.
 

Auswahl aktuell bewilligter Projekte:

Aufbau der KulturDača

Das Kulturzentrums im nordböhmischen Řehlovice hat sich seit längerem zu einem unübersehbaren Akteur in der deutsch-tschechischen Vernetzung etabliert; die hier regelmäßig veranstalteten Symposien stoßen weit über Nordböhmen hinaus auf Resonanz.
Nach bald 20jähriger projektbezogener Tätigkeit möchte die Gründerin Lenka Holíková dem Kulturzentrum eine langfristige Infrastruktur verleihen. Ein Kulturmanager soll nun mit der Weiterentwicklung helfen.Das Zentrum soll um die ehemalige Brauerei von Řehlovice erweitert und gemeinsam von bildendenden Künstlern, Theatergruppen, Performern,  Bildhauern, Designern und Freiwilligen zu einer „Kulturdača“ (Kulturdatscha) ausgebaut werden, die Raum für die Entwicklung neuer Formate bietet. So soll etwa im ehemaligen Bierlager eine Dauerausstellung mit Kunstwerken aus dem jährlichen Symposium Proudění/Strömungen entstehen sowie Räume für Wechselausstellungen.

Der Zukunftsfonds bezuschusst das Projekt im Rahmen einer Sonderförderung zur Organisationsentwicklung mit 20.000 Euro.


Antikomplex: Von Angesicht zu Angesicht mit der Vergangenheit und der Zukunft

Die Organisation Antikomplex hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten durch zahlreiche Publikationen, Ausstellungen und Diskussionen maßgeblich die Auseinandersetzung der tschechischen Öffentlichkeit mit der eigenen Geschichte und insbesondere mit der deutsch-tschechischen Vergangenheit vorangetrieben.
Um die Ergebnisse ihrer Arbeit dauerhaft der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen, plant Antikomplex den Aufbau eines umfassenden digitalen Archivs, das es Schulen, Historikern sowie Bewohnern der Grenzregion ermöglichen soll, relevante Informationen an einem Ort zu finden und um eigene Zeugnisse und Dokumente zu ergänzen. Die neue Personalstelle, die den Aufbau des digitalen Archivs gewährleistet, soll darüber hinaus die starke Nachfrage nach den von Antikomplex zum Verleih bereit gestellten Ausstellungen bedienen, der die Organisatoren in den letzten Jahren wegen fehlender personeller Ressourcen nicht gerecht werden konnten.

Die Zukunftsfonds gewährt für dieses Projekt eine Sonderförderung zur Organisationsentwicklung in Höhe von 494.960 CZK.


Zukunft Nachbarschaft

Mit dem Centrum Bavaria Bohemia (CeBB) steht deutschen und tschechischen Kulturinteressierten und Kulturakteuren ein bewährter Ort für Begegnungs-, Netzwerk- und Informationsveranstaltungen über die Grenze hinweg zur Verfügung. Durch die sehr beliebte zweisprachige Online-Kulturdatenbank www.bbkult.net trägt das CeBB dazu bei, die Attraktivität der Grenzregion als Lebens- und Arbeitsort durch die Darstellung des vielfältigen Kulturlebens zu steigern. Um verstärkt auch jüngere Zielgruppen anzusprechen und die Öffentlichkeitsarbeit auszuweiten, planen die Veranstalter jetzt den Aufbau eines ständigen außerschulischen Kinder- und Jugendkulturprogramms. So sollen etwa KulturTouren ins Nachbarland für deutsche und tschechische Familien organisiert werden. Zudem ist anlässlich des 30. Jubiläums des Falls des Eisernen Vorhangs 2019 die Aktion „30x10 Europa“ geplant: Kurzporträts und -statements von grenzüberschreitend tätigen Akteuren aus Bayern und Tschechien zu Europa.

Die Unterstützung des Zukunftsfonds für diese Aktivitäten im Rahmen der Sonderausschreibung zur Förderung der Organisationsentwicklung beläuft sich auf 25.000 Euro.


Renovierung des Familiengrabes der Familie Gasch in Chodov/Chodau

Die Stadt Chodov war und ist, wie die meisten Grenzstädte, stark vom Verlust des historischen Gedächtnisses und von historischer Diskontinuität gezeichnet. Die heutigen Bewohner wussten bis vor einigen Jahren nur wenig über die prominenten Persönlichkeiten der Vorkriegszeit, die bis 1945 die Geschichte der Stadt prägten. Mit diesem Projekt möchte die Stadt Chodov in Zusammenarbeit mit den Nachfahren der Familie Gasch und ehemaligen deutschen Bewohnern das historische Bewusstsein für eine bedeutende Familie aus der Region Chodov wiederherstellen und eines der wenigen erhaltenen Denkmäler in der Stadt sanieren. Die Einwohner von Chodov werden dadurch die Geschichte ihres Ortes besser kennenlernen und sich mit der Stadt und ihrer Vergangenheit identifizieren.
Für die Familie Gasch wird damit ein Ort und ein Stück Familiengeschichte in der ehemaligen Heimat erhalten und damit die Möglichkeit auf Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte wiederhergestellt.

Der Zukunftsfonds fördert die Renovierung mit 200.000 CZK.


Renovierung des Turms der Kirche Mariä Heimsuchung in Ženklava/Senftleben

Die Kirche Mariä Heimsuchung in Ženklava ist ein Kulturdenkmal, das alljährlich von deutschen Landsleuten besucht wird. Es bestehen sehr herzliche persönliche Beziehungen zwischen den heutigen und ehemaligen Bewohnern des Ortes. Die Landsleute werden zu verschiedenen Festveranstaltungen nach Ženklava eingeladen. Eine deutsch-tschechische Zusammenarbeit besteht auch auf der Ebene von Gemeindepartnerschaften – zwischen Ženklava und Uhingen (Baden-Württemberg), wo auch aus Ženklava ausgesiedelte Deutsche eine neue Heimat fanden.

Ziel des Projekts ist die Wiederherstellung des Turms der Kirche, die einen weiteren Schritt zur allmählichen Generalsanierung der Kirche und damit zum Erhalt des geistigen Erbes der Region für künftige Generationen darstellt. 

Die finanzielle Förderung des Zukunftsfonds für dieses Projekt beträgt 600.000 CZK.


Reparatur der Kapelle auf dem Brantlhof in Vimperk/Winterberg

Die ursprünglich zum Abriss bestimmt Kapelle auf dem Brantlhof wird dank der Initiative des Vereins Vimpersko restauriert. Als der Verein erfuhr, dass die Stadt die Kapelle zum Abriss vorgesehen hat, nahm er Kontakt zu ehemaligen deutschen Landsleuten aus Vimperk auf; beide Partner beschlossen, die Kapelle mit gemeinsamen Ressourcen zu retten. Nach der Sanierung soll die Kapelle neben kirchlichen Zeremonien auch für Ausstellungen, Konzerte und historische Vorträge und nicht zuletzt auch als Ort der Begegnung mit den ehemaligen Landsleuten dienen. Eine zweisprachige Informationstafel wird an die ursprüngliche Geschichte des Ortes und seiner Bewohner erinnern.

Die finanzielle Förderung des Zukunftsfonds für dieses Projekt beträgt 350.000 Kč.


So macht man Frühling #3 Deutsch-tschechisches Kulturfestival in Bremen

Das deutsch-tschechische Kulturfestival, das der Verein Globale" in Zusammenarbeit mit dem Bremer Bündnis für deutsch-tschechische Zusammenarbeit erstmals im Rahmen des Kulturfrühlings 2017 veranstaltet hat, ist auf dem besten Weg, sich zu einer Tradition zu entwickeln, die vom Bremer Publikum sehr positiv angenommenen wird. Ziel des Festivals ist es, alljährlich einen Überblick über die aktuelle tschechische Kulturszene zu vermitteln und eine Plattform für neue Impulse zu bieten. Der nächste Jahrgang 2019 orientiert sich an zwei Jahrestagen: Der Selbstverbrennung von Jan Palach 1969 und der Samtenen Revolution von 1989.
Der Fokus liegt, wie in den Vorjahren auch, auf einem genreübergreifenden Programm, konkret geplant sind eine Theateraufführung, zwei Konzerte, eine Ausstellung, drei Lesungen, drei Filmaufführungen sowie zwei historisch-politische Diskussionen. Darüber hinaus sollen im Rahmen des Festivals Verbindungen zu weiteren Bremer Institutionen ausgebaut werden.

Der Zukunftsfonds unterstützt das Vorhaben mit einer Fördersumme von 15.000 Euro.

 

Circus Sonnenstich im Jatka78 Theater

Das Theater „Jatka78“ hat sich in den letzten vier Jahren zu einem der interessantesten Spielräumen Prags profiliert, der regelmäßig mit Theater- und Zirkusgruppen aus ganz Europa zusammenarbeitet. Einer der langfristigen Partner ist auch das Berliner Chamäleon Theater, über das die Kooperation mit dem Ensemble Circus Sonnenstich entstanden ist, welches sich bereits seit 20 Jahren der Arbeit mit mental gehandicapten Menschen widmet. In Prag wird das Ensemble seine neueste Inszenierung „Wabi-Sabi“ aufführen. Darin treten 22 deutsche Künstler auf, davon 15 Personen mit Behinderung. In Anknüpfung an die Vorstellung findet ein Seminar für Lektoren des Inklusionstheaters statt. Der Antragsteller erhofft sich davon nachhaltige Impulse für eine inklusive künstlerische Arbeit in Prag.

Die Unterstützung des Zukunftsfonds beläuft sich auf 5.000 Euro.

 

Weitere Informationen und Kontakt:

Silja Schultheis
Mail: silja.schultheis@fb.cz
Tel: +420 283 850 512
GSM: +420 737 505 790
www.zukunftsfonds.cz

 
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