Deutsch-Tschechischer Zukunftsfonds
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Deutsch-Tschechischer Zukunftsfonds gibt Fördermittel in Höhe von rund 830.000 Euro für grenzüberschreitende Projekte frei

 
 

 

Pressemitteilung, 7. April 2017

(Prag) Der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds (DTZF) hat die Förderung von weiteren 184 deutsch-tschechischen Projekten bewilligt. Der Verwaltungsrat des Fonds gab dafür am Donnerstag auf seiner turnusmäßigen Sitzung in Prag Fördermittel in Höhe von rund 830.000 Euro frei.

Unter den bewilligten Vorhaben sind in diesem Quartal mehrere Projekte, die sich mit den Auswirkungen totalitärer Herrschaft beschäftigen. „Vergangenheitsbewältigung – auch wenn es diesen Begriff im Tschechischen nicht gibt – kann nur dann funktionieren, wenn möglichst breite Teile der Gesellschaft daran beteiligt sind“, unterstrich Kristina Larischová, die Verwaltungsratsvorsitzende. „Es ist begrüßenswert, wenn Akteure aus der Zivilgesellschaft auf beiden Seiten der Grenze sich diesem sensiblen Thema gemeinsam stellen und die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit nicht allein Politikern und Historikern überlassen“, betonte Petra Ernstberger, die stellvertretende Verwaltungsratsvorsitzende des Zukunftsfonds.

Unter den bewilligten Vorhaben finden sich auch mehrere Projekte zum Thema des Jahres, das der Zukunftsfonds für 2017 ausgerufen hat: medien.kompetenz.fördern.

 

Auswahl aktuell bewilligter Projekte:

 

"Mit meiner Vergangenheit lebe ich." Memoiren von Holocaust-Überlebenden 

Bemerkenswert an den 15 Memoiren von Holocaust-Überlebenden, deren tschechische Übersetzung der Herausgeber Ivan Lefkovits im Verlag OIKOYMENH jetzt plant, ist bereits ihre Genese: Als Reaktion auf den Appell von Elie Wiesel, in einer weltweiten Sammlung bislang unveröffentlichte Erinnerungen an den Holocaust zusammen zu tragen, gründete sich 1995 in der Schweiz die „Kontaktstelle für Überlebende des Holocaust“. Unter ihrer Federführung entstanden 15 einzigartige Geschichten von Überlebenden aus Tschechien, der Slowakei, Deutschland, Polen und Ungarn, die in der Schweiz eine neue Heimat gefunden haben.
Berührend ist neben den Memoiren selbst auch ihre graphische Gestaltung. Die Einbände der 15 Hefte sollen wie in der deutschen Originalausgabe jeweils mit Ausschnitten aus dem Zyklus „Birkenau“ von Gerhard Richter versehen werden.  

Die Unterstützung des Zukunftsfonds für dieses Projekt beträgt 270.000 CZK.

 

Kein Mensch

Die in Prag wirkende Bremer Regisseurin Katharina Schmitt thematisiert in ihrer neuen Oper „Kein Mensch“ die Auswirkungen totalitärer Strukturen auf das kollektive Bewusstsein einer Gesellschaft.
In der Inszenierung, die Ende März 2017 auf der Neuen Bühne des Prager Nationaltheaters Premiere hatte (Musik: Jiří Kadeřábek, Dramaturgie: Lukáš Jiřička), wird das tragische Schicksal des tschechischen Bildhauers Otakar Švec dargestellt, der 1949 gegen seinen Willen den Auftrag zur Anfertigung eines riesigen Stalin-Denkmals auf dem Prager Letna-Plateau erhielt. Der Bau der 30 Meter hohen Statue dauerte sechs Jahre, in der Zwischenzeit starb Stalin, die Ehefrau von Švec beging Selbstmord und auch der Bildhauer nahm sich drei Wochen vor der Enthüllung des Denkmals im Mai 1955 das Leben. 1962 wurde das Denkmal als Reaktion auf den politischen Wandel in der Sowjetunion gesprengt; die Spuren der totalitären Herrschaft aber waren damit nicht ausgelöscht, sie werden im letzten Teil der Oper thematisiert. Die Inszenierung soll im November 2017 als deutsche Premiere beim Festival globale° in Bremen gezeigt werden.

Der Zukunftsfonds unterstützt das Projekt mit 8.500 EUR.

 

Aus der Stille heraus

Bohuslav Reynek, Übersetzer, Dichter und einer der bedeutendsten tschechischen Graphiker, hatte bereits zu Lebzeiten in der Tschechoslowakei Kultstatus. Den gezielten Demütigungen seitens des kommunistischen Regimes, das ihn nach der Niederschlagung des Prager Frühlings mit Ausstellungsverbot belegte, begegnete er mit einer bemerkenswerten Demut und setzte ihnen die Kraft seines Glaubens und die Freude an der Ästhetik der Natur entgegen.
Mit der Ausstellung von Bohuslav Reynkes Passions-Zyklen in Rosenheim bringt der Galerist Alfons Rockl das Leben und Wirken Reyneks erstmals einem bayerischen Publikum nahe und damit auch das Wissen um den gesellschaftspolitischen Kontext, in dem sein Werk entstand. Bei der Vernissage wird ein Dokumentarfilm über B. Reynek gezeigt und die Enkelin des Künstlers wird anwesend sein.

Der Zukunftsfonds unterstützt das Vorhaben mit einer Summe von 3.000 EUR.

 

Strömungen 2017

Das unmittelbar an der Grenze zu Sachsen gelegene Kulturzentrum Řehlovice hat sich zum bewährten Treffpunkt für die deutsch-tschechische Kunstszene etabliert. Das in Řehlovice seit 2000 regelmäßig veranstaltete und vom Zukunftsfonds langfristig unterstützte Künstlersymposium "Strömungen" stößt bei Kunstinteressierten beider Länder seit Jahren auf überaus positive Resonanz. Gegenstand des Symposiums ist die gemeinsame, kreative Beschäftigung mit Themen aus der Schnittmenge von Kunst, Geschichte und Politik, die gleichermaßen für Tschechen und Deutsche interessant sind. Der diesjährige 17. Jahrgang trägt das Motto: "Opfer und Hingabe" (als Alternativen zur Gier und dem Egoismus des postfaktischen Zeitalters). Neben neuen Künstlern sollen diesmal erstmals auch Kinder aus dem örtlichen Kindergarten in das Symposium eingebunden werden.

Der Zukunftsfonds beteiligt sich an der Finanzierung mit einer Summe von 180.000 CZK.

 

Khameskeri vras – Sonnestrahlen

Das Projekt Khameskeri vras - Sonnenstrahlen macht es sich zum Anliegen, junge Roma-Künstler zu fördern und zugleich das Wissen über die Roma-Kultur in der deutschen und tschechischen Gesellschaft zu erweitern. Konkretes Ergebnis soll eine von jungen Roma-Künstlern und professionellen Lichtdesignern während mehrerer Workshops im Laufe des Jahres 2017 gemeinsam erarbeitete Licht-Performance sein, die durch eigens komponierte Roma-Musik untermalt und 2018 präsentiert wird – beim 20. Jubiläum des internationalen Roma-Festivals Khamoro in Prag sowie beim 14. Festival of Lights in Berlin. Weiter ist im Rahmen des Projekts ein dreitägiges Festival der Roma-Literatur in Prag geplant, das einerseits der Vernetzung von tschechisch und deutsch schreibenden Roma-Literaten dient und andererseits das Wissen über die Roma-Kultur in der Tschechischen Republik und in Deutschland erweitern soll.  

Der Zuschuss des Zukunftsfonds für dieses Projekt beträgt 215.000 CZK.

 

Projekt IT-Sicherheit und Social-Media-Plattformen – Grenzüberschreitende Prävention – Sicher im Internet

Ziel dieses Projekts zum diesjährigen Jahresthema „Medien.Kompetenz.Fördern“  ist der Erfahrungsaustausch zwischen deutschen und tschechischen Schülern und Fachleuten im Bereich IT-Sicherheit. Schüler der Technischen Oberschule (Střední škola technická) Most und des Gymnasiums Augustusburg werden sich in Teams unter Anleitung zu Möglichkeiten der IT-Sicherheit und über Gefahren in sozialen Netzwerken informieren. Auf dem Programm stehen in diesem Zusammenhang auch Besuche bei der sächsischen und tschechischen Polizei und Fragebogenerhebungen an den Schulen. Die Ergebnisse ihrer Recherchen werden die Schüler in einem zweisprachigen Leitfaden zusammenstellen. 

Der Zukunftsfonds bezuschusst das Projekt mit 120.600 CZK.

 

Berlin - Prag: Kultureller Austausch

Schüler der Prager und Berliner Euro-Schulen-Organisation ESO (eines der größten privaten Bildungsträger in Deutschland) erweitern einen „klassischen“ Schüleraustausch mit Stadtbesichtigungen, Sprach- und Kulturprogramm um einen inhaltlichen Schwerpunkt zum Jahresthema des Zukunftsfonds (Medien.Kompetenz.Fördern). Die Schüler besuchen während ihrer Austauschbegegnungen wichtige Medienhäuser wie das ARD-Hauptstadtstudio und die Deutsche Welle in Berlin oder das Tschechische Fernsehen und Radio Free Europe in Prag. Durch Gespräche mit Journalisten erhalten sie Einblicke, wie Informationen und Nachrichten gesammelt, ausgewertet, vorbereitet und gesendet werden. Anschließend wird eine Diskussion und Analyse zum Thema „Konsum, Nutzung und Wirkung von Medien“ durchgeführt. Auch der eigene Medienkonsum soll kritisch hinterfragt werden.

Der Zukunftsfonds beteiligt sich an der Finanzierung mit einer Summe von 123.600 Euro.

 

Weitere Informationen und Kontakt:

Silja Schultheis
Mail: silja.schultheis@fb.cz
Tel: +420 273 167 361
GSM: +420 737 505 790

 

 

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